No. 9
Das Mädchen in der Straßenbahn
Dicht an dicht stehen die Leute eng aneinader gepresst in der Straßenbahn. Die Fenster sind beschlagen und trotz der draußen vorherschenden Eiseskälte wird allen Leuten ganz schnell warm.
Als die Bahn kurz scharf bremest, schwanken alle Körper wie eine Woge hin und her, fangen sich dann aber wieder.
Ich blicke in die Richtung des Schaffners und belächele wie er verzweifelt versucht sich durch die Mantelwand hindurch zu zwängen.
Nein, heute wird er keinen Schwarzfahrer erwischen.
Ich weiß nicht mehr ob sie meinen Blick gesucht hatte, oder ob es durch Zufall geschehen war, doch Plötzlich sah ich sie.
Ihre Augen waren Braun, und sie strahlten mich an.
Waren es 10 Sekunden oder 10 Minuten? ich weiß es nicht mehr.
Doch wir sahen uns einfach nur an und lachten.
Dann aber stoppte die Bahn und mich riss die Menge aus dem Wagon. Ich sah mich um.
Sie war nicht dabei.
Ich sah sie am Fenster stehen, sie lächelte und winkte mir zu.
Ich hob auch die Hand, doch in dem Moment entschwand sie meinen Augen.
Wäre ich doch nur...
Bis heute habe ich sie nicht wieder gesehen.
Aber der Tag wird kommen, wenn ich sie wiedersehen.
In der Bahn, zwischen den Mänteln. Ich werde sie anlächeln und dann...
© tiko
