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Das Mädchen in der Straßenbahn

No.  9

Das  Mädchen in der Straßenbahn     

 

Dicht an dicht stehen die Leute eng aneinader gepresst in der Straßenbahn. Die Fenster sind beschlagen und trotz der draußen vorherschenden Eiseskälte wird allen Leuten ganz schnell warm.
Als die Bahn kurz scharf bremest, schwanken alle
Körper wie eine Woge hin und her, fangen sich dann aber wieder.

Ich blicke in die Richtung des Schaffners und belächele wie er verzweifelt versucht sich durch die Mantelwand hindurch zu zwängen.
Nein, heute wird er keinen Schwarzfahrer erwischen.

Ich weiß nicht mehr ob sie meinen Blick gesucht hatte, oder ob es durch Zufall geschehen war, doch Plötzlich sah ich sie.
Ihre Augen waren Braun, und sie strahlten mich an.
Waren es 10 Sekunden oder 10 Minuten? ich weiß es nicht mehr.
Doch wir sahen uns einfach nur an und lachten.

Dann aber stoppte die Bahn und mich riss die Menge aus dem Wagon. Ich sah mich um.
Sie war nicht dabei.
Ich sah sie am Fenster stehen, sie lächelte und winkte mir zu.
Ich hob auch die Hand, doch in dem Moment entschwand sie meinen Augen.

Wäre ich doch nur...

Bis heute habe ich sie nicht wieder gesehen.
Aber der Tag wird kommen, wenn ich sie wiedersehen.
In der Bahn, zwischen den Mänteln. Ich werde sie anlächeln und dann...

 

 

         

 © tiko

Stacheldraht

No.  8

Stacheldraht       

 

Auf einmal war er da, einfach so. Kein ersichtlicher Grund hatte ihn über Nacht hergezaubert.
Kalt umschloss er sie.
Meter f
ür Meter, zog er sich dain. OhneAAnfang, ohne Ende.

Müde schauten die Augen der Gruppe auf das unüberwindliche Ungeheuer. Blutige Spuren zeichneten den Weg derer die es versucht hatten. Es zu überlisten. Ohne Erfolg.

Tränen in den Augen standen die Kinder vor ihren Eltern.
War es erst seit Heute da, oder war es schon immer da gewesen?
Keiner wollte es Wissen, oder einen Gedanken daran verschwenden.

Dann, ohne Vorwarnung rannte ein junger Mann los. In seinem Gesicht keine Regung. Seine Frau stand verzweifelt einiger Meter hinter ihm, den letzten Fetzten seines Hemdes in der Hand.

Sein Körper verfing sich in den Drähten. Ein lauter Schrei hallte durch die Ebene. Dann verfärbte sich in Sekundenschnelle sein Obekörper Rot. Noch einmal zuckte er, spuckte Blut und war dann regungslos.

Ein kleines Mädchen presste sich an die Schürze seiner Mutter. Alle Gesichter waren vor Entsetzen starr.

Um sie herum kalter Stacheldraht.

 

 

 

         

 © tiko

Der Kletterer

No.  7

Der Kletterer      

 

 

Er fühlt den rauen Fels, die wohle Kälte, die Kanten und Formen.
Seine F
üße tasten den Fels nach einem kleinen Vorsprung ab.
Da, sie k
önnen ruhen.
W
ährend seine Hand in eine Einbuchtung greift, fasst er mit der anderen in das Täschchen an seiner Seite.

Weißer Staub wirbelt wie Nebel durch die Luft, als er seine Hand wechselt und die Prozedur wiederholt.
Sein Atem geht tief und lang.

Ansonsten ist es fast lautlos, kein Lüftchen regt sich, nur ein Vogel ist weit oben auszumachen; einsam seine Kreise ziehend.

Nach einiger Zeit gibt er sich einen Ruck und greift nach dem nächsten Griff. Weiter und weiter schiebt er sich die Wand hinauf.
Pl
ötzlich greift er ins Leere.

Nichts.

Ein Stein löst sich, der Kletterer verliert den Halt und fällt.
Verschwommen fliegt die Wand an ihm vorbei.
Kein Gedanke l
ässt sich fassen.

Ein Ruck und er ist wieder zurück in der Wirklichkeit.
Das Seil h
ällt. Er ist nicht alleine.
Noch Minuten schwingt er an der Wand.
Schwer atmend. Aber froh.

 

 

         

 © tiko

Die neue Handygeneration

No.  6

Die neue Handygeneration       

The number you have dialed is temporary not available

 

Hi hier ist Tom

Ach gut und selbst?

Wann? Weil ich muss noch das Layout fertig machen

Ja, ich hab den Job bekommen

Ok 8 Uhr, wo?

Wie immer okay

ich mich auch ciao!

 

Hier ist die Mailbox von Felix Martensen bitte hinterlassen sie eine Nachricht nach dem Piepton

 

Also ich bin jetzt da!

Ja, das wäre schon toll, weil ich nicht durch die Kälte laufen will!

Ja, einmal sogar +39 Grad

Das ist doch ok, dann sezte ich mich noch ins Cafe und Essen mal wieder echten deutschen Kuchen!

Ja bis gleich

ich dich auch!

 

Kein Anschluss unter dieser Nummer  . -  |

 

 

         

 © tiko

Nackt

No.  5

Nackt       

 


Meine nackten Füße spüren den warmen Stein, fahren über die Unebenheiten und kralllen sich an ihnen fest.
Das helle Licht der Sonne blendet mich. Doch schon bald wird sie hinter dem Horizont verschwunden sein.

Langsam ziehe ich den Bademantel von meinem nackten Körper. Er rutscht herunter und liegt zu meinen Füßen. In meinen glatten Beinen spiegelt sich das orangene Licht der Sonne.

Ein feiner Wind kommt auf und lässt mich fröstlen. Er umstreift mein Beine und Brüste.

Sofort  bekomme eine Gänsehaut, doch das Gefühl der Freiheit wird immer stärker.

Ich löse meinen Zopf und meine langen Haare fallen wie ein Waserfall über die Wölbungen unterhalb meiner Schultern.

Ich Strecke die Arme nach oben aus, harre kurz aus, mache dann ein paar schnelle Schritte und Springe in die Luft. Wenige Sekunden später trifft mein Körper auf das eiskalte, blaue Wasser.

Kalt umschließt es meinen Körper. Schützend.
Alles ist still.



 

         

 © tiko

 

Magst du mich?

No.  4

Magst du mich?      

 

Magst du mich eigentlich?

Natürlich mein Schatz!

Und warum? Bin ich so schön, bin ich so besonders?

Was für eine Frage, natürlich bist du schön und du bist auch das Besonderste das es gibt!

Aha, also findest du meine inneren Werte nicht toll ja?

Wer hat den hier von inneren Werten geredet…

Du hättest sie erwähnt würdest du sie mögen

Also denk doch mal nach, wären deine inneren Werte nicht so toll, würde ich wahrscheinlich nicht halbnackt neben dir im Bett liegen!

Auch wahr. Also bin ich Perfekt ja?

Nein, Niemand ist perfekt! Schatz, dass weißt du doch.

Willst du damit andeuten das ich nur das Nächstbeste bin?

…Schatz, machst du bitte das Licht aus, ich hab Morgen einen langen Tag.
Gute Nacht!

 

…etwa 23 Stunden später…

 

Schatz, magst du mich nun oder nicht?

 

         

 © tiko

Nein!

No.  3

Nein!       

 

Ein leichter Wind wehte und trieb ein herbstbraunes Blatt auf dem Gehweg hin und her.
Die Bäume waren schon fast kahl und der Boden ein braunes Laubmeer.
Letzte V
ögel machten sich auf, in südlichere Gefilde um dem kalten und harten Winter zu entgehen.
Seit Tagen hielt sich die Sonne schon hinter der dichten, schier undruchdringbaren Wolkenwand versteckt.

Wie eine Blume im ewigen Eis stach die blaue Parkbank aus dem Meer hervor.
Auf ihr saß ein Mann, still vertieft in das Spiel des Windes mit den Blättern. Seine Hände in den Hosentaschen und das Kinn auf der Brust. Fast schlafend.

Er zeigte auch keine Regung als die kleine Frau angetippelt kam.
Kurz sah sie ihn an, drehte sich aber wieder weg.

Der Wind kräuselte ihr Haar während sie mit fragendem Gesicht da stand und  wartete.

“Könnte ich mich vielleicht neben sie auf die Bank setzen?”

Der Mann regte sich nicht.
Doch, er hob den Kopf ein wenig.

“Nein!”

 

         

 © tiko

 

Das Bündel

No.  2

Das Bündel        

 

 

Einmal saßen zwei Gestalten in einer dunklen, dreckigen Ecke.
Um sie herum Kälte und Dunkelheit.

“Feuer?” Mit einer ungewöhnlich rauen Stimme hob die eine an zu reden.

“Ja- Danke” eine etwas höhere Stimme antwortete.

Beide sogen fast gleichzeitig die Luft ein.
Zwei Punkte leuchteten kurz auf und wurden wieder von der Dunkelheit eingeh
üllt.
Für kurze Zeit waren beide in hellgrauen Rauch gehüllt.
Dann brachte ein Windstoß wieder Klarheit.

“Kalt was?” Fragte die eine Gestalt.
Die andere lächelte gezwungen und eine feine Träne rann über ihre Wange.

Stille.

Noch ein paar Mal leuchteten die Punkte auf.
Noch und noch einmal waren beide von Rauch umhüllt und ein Windstoß brachte wieder klare Sicht.

Einige Augenblicke, lassen wir es eine halbe Stunde gewesen sein, später standen beide auf und hielten kurz inne um auf ihren Platz zu sehen.

Ihre Schritte hallten noch lange durch die nasskalte Gasse.

An ihrem Platz ein Bündel.
Regungslos.
Kalt.

 

 

         

 © tiko

 

Der Cent

No.  1

Der Cent         

 

Leise, knirschend trafen die braunen Lederschuhe auf den Schnee.
Den Jackenkragen bis übers Kinn gezogen lief der Mann, weißen Atem ausstoßend auf dem Gehweg.
Von hier nach dort.

Normalerweise hätte er nicht auf den Boden geschaut. Normalerweise wäre er nicht angehalten von seinem Weg.
Von hier nach dort.

Doch so wie der Zufall es wollte würdigte er dem Boden einen Blick. Da lächelte ihn der Cent an.

Und wie von ungefähr hielt der Mann, bückte sich der Mann und fischte das blinkende Geldstück aus dem Schnee; wischte es kurz ab und steckte es in seine Manteltasche. Nicht in die an der Seite, sondern in die, in der sonst seine Brille steckte. An der Brust.

Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Mannes. Für einen Moment schien er innezuhalen, dann schüttelte er ungläubig den Kopf, schob seine starren Hände in seine Manteltaschen und setzte seinen Weg fort.
Von hier nach dort.

Am Boden ein kleines Loch im braunen Schnee.
Dort, wo der Cent gelegen hatte.

 

         

 © tiko

 

 

 

 

 

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